Zwischen den Jahren

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Zwischen den Jahren

Beitragvon Isabel » Fr 28. Dez 2018, 16:26

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Zwischen den Jahren bezeichnet den Zeitraum zwischen Weihnachten und Silvester/Neujahr/Heilig Drei König.
Das alte Jahr ist nicht zu Ende, das neue hat noch nicht richtig begonnen.

Es ist eine mythenumwobene Zeit, auch die Zeit der „Rauhnächte“, welche mit der Nacht auf den ersten Weihnachtstag beginnt und mit der Nacht auf Heilige Drei Könige, am 6. Januar, endet.
Die Anzahl der Rauhnächte variiert jedoch nach Gegend, in einigen Gegenden wird auch die Nacht der Wintersonnwende, die längste Nacht des Jahres, hinzugezählt.
Ursprünglich hießen sie eigentlich Rauchnächte, da Häuser und Ställe mit Kräutern (und Weihrauch) geräuchert wurden, um Dämonen zu vertreiben.
Die Bezeichnung „Rauhnächte“, wie diese 12 Nächte im Volksmund genannt werden, kann allerdings auch von rauh, pelzig, kommen, was auf den Begriff der felligen Dämonen, die in der Nacht ihr Unwesen treiben sollen, verweist.

Das Ritual des Räucherns kann in vereinfachter Form begangen werden beispielsweise mit dem kleinen Kräuteraromalämpchen (beheizt mit einem Teelicht), um sinnbildlich alles aus dem alten Jahr zu vertreiben, was Menschen und Tiere belastet.
Gleichzeitig wird Raum geschaffen für das Kommende, für neue Ziele und Vorhaben, für neue Lebensenergien.

Natürlich kann nicht nur in den Rauhnächten geräuchert werden, sondern das ganze Jahr über.
Der aromatische Duft der im Sommer gesammelten Blüten und Kräuter, Harze, Blätter, Rinden und Wurzeln, die auf dem kleinen Stövchen verglimmen, dient zur Entspannung und für ein schlichtes Wohlgefühl.
Dabei werden die in dem Pflanzmaterial eingeschlossenen ätherischen Öle gelöst und die Duftmoleküle über die Nase aufgenommen. Der Geruchssinn ist direkt mit dem vegetativen Nervensystem verbunden, wobei Prozesse in Gang kommen, die positive Auswirkungen auf emotionaler, geistiger und körperlicher Ebene haben können.

Nach altem Volksglauben sind die Rauhnächte auch zum Erstellen von Orakeln sehr geeignet, woher auch der Brauch des Bleigießens an Silvester herrührt.
Bleigießen ist allerdings nun nach einer EU-Regelung verboten. Es scheint aber eine Alternative zu geben, nämlich Wachs. Auch dieser Stoff könne geschmolzen werden und erstarre, sobald man ihn ins Wasser gebe.

Ich persönlich mag die Zeit zwischen den Zeiten, die Zeit der Besinnung.
Gerne durchblättere ich meinen Buchkalender mit den stichpunktartigen Notizen über die vergangenen Tage und Wochen. Langsam lasse ich das Jahr Revue passieren, spüre nach, wie das Wetter war, was sich an Höhepunkten und Kleinigkeiten ereignet hat.
Wenn Zeit ist, lösche ich alte Mails, mache Ordnung und räume somit alle „Postfächer“ virtuell (und innerlich) auf.
Nach diesen kleinen Zeremonien (nach altem Aberglauben sollte in der Silvesternacht auch keine Wäsche auf der Leine hängen) kann getrost das neue Jahr getrost kommen, wenn es an der Zeit ist.


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Isabel
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Re: Zwischen den Jahren

Beitragvon Raphia1012 » Sa 29. Dez 2018, 00:49

Liebe Isabel

Das sind schöne Gedanken zum Jahresausklang, und man wird ein bisschen wehmütig
wenn wieder ein Jahr zur Vergangenheit wird.

Schon für unsere Vorfahren war diese Zeit geheimnisvoll, auch heute übt diese Zeitspanne
noch einen gewissen Reiz aus.

Es ist eine besondere Zeit, sie bewusst zu erleben, zu genießen, und sich bewusst zu werden
wie vergänglich, zerbrechlich und kostbar die Lebenszeit ist.

Vielen Dank, dass du uns die Rauhnächte in Erinnerung gerufen hast. ;) :--D
Viele Grüße
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Re: Zwischen den Jahren

Beitragvon Martin » Sa 29. Dez 2018, 09:31

Hallo Isabel,

vielen Dank für Deinen lesenswerten Beitrag. :) Zwischen den Jahren wurde bei uns früher gebacken. Das ganze Haus duftete nach Neujahrsballen und "Kalte Schnauze" (ein sehr Kalorienreicher Kuchen). Als Kinder verlangten wir immer vorab einen Ballen ("Berliner"). Die gab es nämlich normalerweise erst im neuen Jahr. :--D Auch wurde am Jahresende oft tapeziert. Das war ein regelrechter Brauch bei uns zuhause. Man nutzte die oft grauen Tage des Winters um die Räume neu zu gestalten. Neue Zimmerpflanzen wurden auf den Fensterbänken aufgestellt. Der Keller wurde aufgeräumt. Man wollte sich im alten Jahr sich von all dem Alten trennen. Auch das gehörte zwischen den Jahren dazu.
Viele Grüße
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Re: Zwischen den Jahren

Beitragvon Isabel » Sa 29. Dez 2018, 11:12

Guten Morgen ihr Lieben,

Raphia, :) ja, Wehmut, ich gehöre (leider) nicht zu den guten "Loslassern". Mag alles behalten, mich überhaupt nicht trennen. :--D Allerdings kann ich gut ausmisten, das fällt mir leicht.
Aber durch diese Zeremonien und all meine "Schätze" (Kräuter, Düfte....) bin ich abgelenkt und bekomme es gar nicht mehr so mit.

Martin, :) da wurde aber wirklich viel gemacht bei euch. Du hast sicherlich einiges von diesen Traditionen beibehalten. :)
Genau, es geht ja darum, sich von "Altem", Belastendem zu trennen, um neu starten zu können. :)

Wünsche euch allen eine gute Zeit "zwischen den Jahren". :--D

Isabel
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Re: Zwischen den Jahren

Beitragvon Hiodoshi » Mo 31. Dez 2018, 21:42

Hallo Isabel,
sehr schön Beschrieben hast du den Wert von besinnlicher Zeit, Ritualen, Nachspüren von Eindrücken und Gefühlen, Ordnung schaffen für Neues.
Leider habe ich in diesem Jahr, aus diversen Gründen, nicht die nötige Zeit dazu gehabt. Aber ich werde es im neuen Jahr sobald als möglich nachholen. Das ist mir auch sehr wichtig.

Den Brauch, keine Wäsche in der Silvesternacht auf der Leine zu haben, kenne ich auch schon von meiner Oma. Und ich gehe gleich nochmal nachsehen, ob auch wirklich keine Wäsche hängt.... ;) .....(GG belächelt solche Bräuche.......)
Liebe Grüße
Hiodoshi

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Re: Zwischen den Jahren

Beitragvon Isabel » Di 1. Jan 2019, 11:38

Guten Morgen liebe Hiodoshi,

es ist ja auch noch gut Zeit, bis mindestens Heilig Drei König und natürlich auch danach, in Ruhe "Ordnung zu schaffen", wo auch imner. :)

LG Isabel
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Re: Zwischen den Jahren

Beitragvon Tetje » Di 1. Jan 2019, 18:16

Hallo Isabel, hallo zusammen,

bei uns wurde und wird diese Zeit immer für die Familie genutzt. Ich bin vor wie nach der Meinung, dass die Familie das Wichtigste in einer gut funktionierenden Gesellschaft ist und durch nichts zu ersetzen ist! ;)

Das Zusammensein war und ist immer sehr wichtig. Wir haben viele Spiele gespielt, teilweise kann in der heutigen Zeit kaum noch jemand Canasta oder Romme' oder eines der besten deutschen Kartenspiele "Skat". Auch haben wir die Zeit mit Musik und den Kirchgang genutzt.

Renovieren war oft ein Thema, das Aufräumen im Keller oder der Garage. Ich glaube, dass auf Dauer auch diese ganzen "Bräuche (Traditionen)" verloren gehen werden. Ich persönlich versuche noch die Traditionen aufrechtzuerhalten.... :--D ;)
Viele Grüße
Tetje

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