Zweifelhafte Artstatus im Staudenreich

Zweifelhafte Artstatus im Staudenreich

Beitragvon Martin » Sa 17. Apr 2021, 13:34

Hallo zusammen,

nicht alles was im Weltweiten Netz beschrieben und angeblich wissenschaftlich dokumentiert wurde stimmt. Dies gilt allgemein für viele Stauden-Beschreibungen, wie bsw. für das Grönlandveilchen (Viola labradorica). So finden sich in fast allen Beschreibungen Fotos einer purpurblättrigen Auslese. Dieses Foto eines angeblichen Viola labradorica ’Purpurea’ wird zum überwiegenden Teil angezeigt, wenn man nach dem Labradorveilchen sucht. Bei dieser purpurblättrigen Form handelt es sich jedoch sehr wahrscheinlich um eine dunkellaubige Farbvariante des Hain-Veilchens. Wie beim Hain-Veilchen ist der Sporn weiss gefärbt. Beim Grönland-Veilchen ist dieser jedoch lebhaft violett gefärbt. Auch die Nebenblätter des dunkelblättrigen Hain-Veilchens sind anders geformt. Sie besitzen winzige fingerartige Vorsprünge, während die Nebenblätter des Grönlandveilchens ganz bis grob gezähnt sind.

Warum diese Verwechslung stattgefunden hat und fast die ganze Literatur das dunkellaubige Hainveilchen als Grönlandveilchen übernommen hat, entschliesst sich meiner Kenntnis.
Vielleicht hört sich Viola labradorica ’Purpurea’ einfach interessanter an.

Einzig bei der Eingabe in der Suchmaschine unter: Du musst registriert und eingeloggt sein, um Links sehen zu können. einer angelsächsischen Seite findet sich letztendlich eine genaue Beschreibung des Grönlandveilchens. Mit wunderbaren Fotos hinterlegt.

Ein Lob diesem Seitenbetreiber. :)
Viele Grüße
Martin
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Re: Zweifelhafte Artstatus im Staudenreich

Beitragvon Tetje » Sa 17. Apr 2021, 18:56

Martin hat geschrieben:
Warum diese Verwechslung stattgefunden hat und fast die ganze Literatur das dunkellaubige Hainveilchen als Grönlandveilchen übernommen hat, entschliesst sich meiner Kenntnis.
Vielleicht hört sich Viola labradorica ’Purpurea’ einfach interessanter an.


Hallo Martin,

es gibt kaum noch Autoren die recherchieren, man nimmt das vorherige Buch und schreibt einfach ab. So
ziehen sich Fehler über Generationen durch die Bücher, heute durch das Netz. Auch werden Bücher vor der Veröffentlichung nur von Lektoren gegengelesen und das kann so nicht weitergehen. Wird sich aber nicht ändern....

Ich habe vor einiger Zeit einen Artikel geschrieben, ich hatte über 10 Jahre recherchiert, die Lektorin
von dem Verlag hatte mir geantwortet :shock: :
"Das steht aber so nicht im Netz und die Schreibweisen der Städte können auch nicht stimmen".

Vor 150 Jahre wurden unzählige Städte anders geschrieben und wenn man historische Beiträge schreibt,
sieht man erst, dass das Netz *nichts her gibt*. Mir war das bewusst, der Lektorin aber nicht. Die Zeit gibt
man sich heute nicht mehr und die Beiträge/Bücher werden sich immer ähnlicher. Schau dir nur die letzten
fünf Dahlienbücher an, ich könnte noch unzählige andere Beispiele nennen.
Viele Grüße
Tetje

„Habt Ehrfurcht vor der Pflanze, alles lebt durch sie!“
Johann Wolfgang von Goethe
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