Bekommt Lady Monson Zuwachs?

Bekommt Lady Monson Zuwachs?

Beitragvon Gast » Mo 4. Mär 2013, 23:15

Wie in dem vorausgegangenen Beitrag über die Neuordnung der Anzahl der Gattungen bei Pelargonien berichtet wurde, ging die Neuordnung bei vielen älteren Botanikern nicht ohne inneren Widerstand und ohne Wehmut ab. Mir liegt ein handschriftlicher Brief eines der renommiertesten deutschen Kenners afrikanischer und madegassischer Flora an mich vor, der sich sehr ablehnend gegenüber diesen neuen Strömungen in der Pelargonienforschung äußert. Er bedauert es, - in wörtlicher Rede - dass dann " die Buschmannskerzen verschwinden würden, die so manchen Abend - im Namqualand und Namibia - durch das Anzünden ihrer Wachspanzer den Forschern Licht und Wärme gespendet haben".Das war im April 1999.
Es ist nun ganz anders gekommen. Der Professor hat es aber nicht mehr erlebt.
Auch an der Uni Zürich gab es solche Ressentiments., wie der folgende Beitrag beweist.
Die Veröffentlichung erfolgt mit Genehmigung v. Prof. Rutishauser, Uni Zürich.

Anekdotisches zum Gelehrtenstreit
Vorabinformation:

Nachdem ab Mitte des vorigen Jhrh. in vielen Sparten der biologischen und medizinischen Forschung durch neue Methoden ein großer Umbruch
stattfand , hat man auch neue Verwandschaftsverhältnisse bei Pelargonien
festgestellt.
Dieses neue Fach nennt sich Molekularbiologie . Der Name dafür wurde 1952 durch den englischen Physiker und Molekularbiologen
William Astbury geprägt.

Die Zusammenführung der beiden Sektionen Monsonia und Sarcocaulon in der Gattung Pelargonium war anscheinend bei vielen Pelargoniumspezialisten sehr umstritten. Mir liegt einmal diese Veröffentlichung von Prof. Rutishauser/ Uni Zürich vor und außerdem ein persönlicher Brief von Prof. XXX - zu ebenfalls diesem Thema.


Bekommt Lady Monson Zuwachs ?

Aus: Briefe aus dem Botanischen Garten Zürich.
33. Jahrgang Nr. 2 Februar 1999


Genehmigung zur Veröffentlichung durch Prof. Rutishauser - Uni Zürich . On Fri, 9 Apr 2010 09:51:07 +0200 Webseite für Pelargonien zusammenstellt .... "Bekommt Lady Monson Zuwachs?“ würde ich gerne, -Darf ich das ??? Dürfen Sie!!
Sehr geehrte Frau Stisser, natürlich erinnere ich mich an Sie und an Ihren Mann. Sie dürfen den Gartenbrief verwenden, da habe ich keine Bedenken! Ich schaue auch noch, welche Bilder von der Ausstellung zu finden sind. Sicher würde es sich auch lohnen, einige Texte aus unserer "Ausstellungsbroschüre"…..
.........Rolf Rutishauser


Monsonia ist eine Gattug der Storchschnabel- oder Geraniengewächse (Geraniaceae). In Südafrika heissen die Monsonias auch Slangbom, Snake- Flower und Lady Monson.
Der letzte Name erinnert an Lady Anne Monson., die als leidenschaftliche Botanikerin im Jahre 1774 am Kap Pflanzen sammelte.In jenem Jahr gelangten auch die ersten Herbarbogen von Monsonia auf den Tisch des in Uppsala tätigen Botanikers Karl von Linne’. Mit dem Gattungsnamen ehrte Linne’ nicht nur eine Fachkollegin, sondern auch eine Brieffreundin, mit der ihn Gefühle der Liebe verbanden., obwohl er Lady Monson zeitlebens nie zu Gesicht bekam. Der in jenem Jahr 67 jährige bewies in einem Brief an seine Brieffreundin, dass auch Botanikerherzen schwach werden können.
Er schrieb an seine Brieffreundin: „Ich ´habe lange versucht, gegen eine Leidenschaft anzukämpfen, welche sich als unüberwindbar erwiesen hat, und nun in mir zu Feuer geworden ist.
Damit möge es mir erlaubt sein, mit Ihnen eine kleine Tochter zu zeugen, die Beweis unserer Liebe sein soll – eine kleine Monsonia, durch die Ihr Ruhm ewig währen wird…“ ( zitiert aus Tyler Whittle & Cook 1979).
So kam es, dass Linne’ mit der Gattung Monsonia den Namen seiner verehrten Brieffreundin verewigte.

Die Gattung Monsonia umfasst in ihrer klassischen Umschreibung 25 Arten, die in Afrika, Madagaskar und Südwestasien zu Hause sind. Als weitere Gattungen der Geranium- Gewächse existieren im südlichen Afrika auch die Gattungen Pelargonium und Sarcocaulon. Von den gegen 300 Arten der Gattung Pelargonium , zu der alle unsere Balkon- und Duftgeranien
( ?? Originaltext der Autoren ) zählen, soll hier nicht die Rede sein……!
Weniger bekannt ist die Gattung Sarcocaulon, die mit 14 Arten in den trockensten Gebieten von Südafrika und Angola vorkommt.
Der Genfer Botaniker A.P. de Candolle ( 1824) wählte diesen Namen, weil die Artengruppe fleischige , saftspeichernde Stämmchen aufweist. Die Vertreter von Sarcocaulon heissen auch Buschmannskerzen ( „bushmann candles“) , da deren sukkulente Stämmchen nach aussen einen wachsartigen Korkmantel bilden. Nach dem Absterben der inneren Stämmchenteile bleibt ein Wachsrohr zurück. Dass wie eine Kerze brennt. ( ….. ).
Monsonia und Sarcocaulon sehen sich im äußeren Erscheinungsbild recht unähnlich.
Bei Monsonia handelt es sich um nicht sukkulente Halbsträucher oder gar nur um einjährige Kräuter, die die ungünstige Jahreszeit als Samen überdauern. Trotzdem stehen sich die beiden Gattungen sehr nahe.
Beide zeichnen sich durch 15 Staubblätter aus, während die übrigen Geraniengewächse ( incl. unsere Balkongeranien) 10 oder weniger Staubblätter besitzen. Monsonia und Sarcocaulon zeigen auch in bereits untersuchten Bereichen des Erbgutes, z. B. in Chloroplasten klare Übereinstimmungen ( Price & Palmer 1993).

Nun ist unter den Spezialisten ein Streit entbrannt. Soll Sarcocaulon als eigene Gattung weiter bestehen ? Oder soll Sarcocaulon als Gattungsname verschwinden, indem die Buschmannskerzenarten zu Monsonia gestellt werden?
Geht es nach dem Willen des deutschen Botanikers F. Albers ( 1996 ), bekommt Lady Monson Zuwachs, da alle 14 Sarcocaulon-Arten fortan Monsonia heissen müssen.
Nach dem Vorschlag von Albers wird z.B. Sarcocaulon peniculinum neu Monsonia peniculina genannt.
Gegen eine derartige Umbennenung wehren sich nun aber die südafrikanischen Botaniker. Sie möchten , dass alle Buschmannskerzen weiterhin unter dem Namen Sarcocaulon brennen dürfen., obwohl die verwandschaftliche Nähe zu Monsonia durchaus akzeptiert wird ( ….. ).
Wir im Botanischen Garten Zürich sind eher konservative Leute.
Deshalb heissen die Buschmannskerzen auch bei uns weiterhin Sarcacaulon .
Lady Monson bleibt schlank.

Ende des Beitrages.
Man hat international doch anders entschieden. Die beiden Gattungen sind zusammengelegt worden.
Gast
 

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