Die gewöhnliche Nachtkerze Oenothera biennis L. ist eine zweijährige Staude aus der Familie der Nachtkerzengewächse (Onagraceae).
Sie gedeiht wild auf trockenen, sandigen oder kiesigen Standorten in voller Sonne an Bahndämmen, Böschungen, an Friedhofsmauern und an Straßenrändern.
Im ersten Jahr bildet sich eine Blattrosette, im zweiten Jahr erscheint die Pflanze mit zitronengelben, seidigen Blüten.
Die glatten Blätter sind mit weißen Blattadern durchzogen.
Die Gemeine Nachtkerze vermehrt sich ausschließlich über Samen. Diese Eigenschaft erklärt, warum sie sich an offenen, ungestörten Standorten rasch etablieren kann. Wird die Samenbildung unterbunden, lässt sich ihr Bestand gut kontrollieren.
Ursprünglich stammt die Nachtkerze aus Nordamerika und wurde Anfang des 17. Jahrhunderts als Zierpflanze nach Europa gebracht und dort in Parks und Gartenanlagen kultiviert.
Die amerikanischen Ureinwohner hatten die vielfältigen Heilwirkungen der Pflanze entdeckt. Sie zerstampften die ölhaltigen Samen zu einem Pflanzenbrei und behandelten damit Geschwüre und Hautkrankheiten. Aus den blühenden Sprossenspitzen wurde zudem ein krampflösender Aufguss bei Magen-Darm-Problemen zubereitet.
Ihren Namen verdankt die Nachtkerze dem Umstand, dass sie erst bei Dämmerung innerhalb einer Minute ihre Blüten öffnet, um mit betörendem Duft Insekten anzulocken. Das kleine Schauspiel währt von Sommer bis Herbst.
Weitere Namen lauten: Nachtstern, Nachtschlüsselblume, Abendblume.
Das Samenöl der Nachtkerze enthält mit bis zu 80 Prozent einen besonders hohen Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, die vor allem bei Hauterkrankungen eingesetzt werden können. Als reizlindernde Hautpflege bei Neurodermitis, Ekzemen und trockenen, leicht entzündlichen Hautzuständen
Alle relevanten Pflanzenteile der Gemeinen Nachtkerze gelten als ungiftig; die Pflanze zählt zu den essbaren Wildkräutern.
Die Pfahlwurzel wird wegen ihres leicht nussig-rettichartigen Geschmacks in der Wildkräuterküche manchmal "Schinkenwurzel" genannt und kann gegart oder roh verwendet werden.
Bei uns im Garten hat sich eine Nachtkerze unbemerkt angesiedelt und blüht heuer das erste Mal zwischen Sterndolden und Sonnenhüten.
Es gibt auch sehr hübsche, zierliche Vertreter unter den Nachtkerzenewächsen, die rosafarbene Oenothere speciosa.
Als Dauerblüher zwischen Juni und September gilt sie als Bienenweide mit einem zarten Duft und fügt sich wunderbar zu Rosen ein.