Die Wilde Karde – Dipsacus fullonum L. – ist eine heimische, zweijährige Wildpflanze mit kräftigem, aufrechten Wuchs aus der Familie der Geißblattgewächse (Caprifolioaceae).
Die Pflanze bevorzugt einen sonnigen bis halbschattigen Standplatz, auf Brachland, auf kargen Böden mit sandigem oder lehmigem Untergrund.
Im ersten Jahr bildet sie eine Blattrosette, im zweiten Jahr erscheint der stachelige Stängel.
Im nächsten Jahr wächst die Pflanze in die Höhe, blüht und versamt sich.
Die Pflanze stirbt ab und aus den Samen entsteht die nächste Generation.
Kratzkopf, Weberdistel, Waldkarde lauten die Volksnamen.
Der Name der Karde stammt vermutlich vom Kardieren, dem Auskämmen von Woll- oder Leinenfasern vor dem Verspinnen.
Dazu verwendeten die Weber früher die getrockneten, starren Blütenstände – daher auch der Name Weberdistel oder auch Kardendistel.
Botanisch gesehen ist sie jedoch keine Distel.
Auch „Venusbad“ ist ein alter Volksname; das enthaltene Wasser in den Blättern soll nach alter Überlieferung besonders schön und rein gemacht haben in der Gesichtsreinigung.
Die Blätter in Stängelnähe bilden Trichter, in denen nach Regenfällen reichlich Wasser oder Tau stehen bleibt, das Vögeln als Trinkgelegenheit dient.
Daneben besitzen die Fruchtstände auch ökologischen Wert, da sie für Vögel wie Dompfaff oder Stieglitz wichtiges Winterfutter darstellen und dekorativ aussehen im frostig kahlen Garten.
Die kräftige Struktur bleibt über lange Zeit erhalten.
Die Wilde Karde blüht von Juli bis August.
Typisch sind die großen, walzenförmigen Blütenköpfe mit violett-blauen Einzelblüten, die an eine Distel erinnern, womit die Pflanze aber nicht verwandt ist.
Von September bis Oktober reifen die Früchte – kleine Nüsse – heran.
Als Heilpflanze ist die Wilde Karde bereits seit der Antike bekannt.
Bei Hildegard von Bingen wurde die Pflanze traditionell zur Entgiftung und bei Hautleiden wie Ausschlägen eingesetzt.
Medizinisch verwendet wird die Wurzel.
Die Wurzel der Karde erntet man am besten im Herbst des ersten Jahres oder Frühjahr, da sie nach der Blüte holzig wird und weniger Wirkstoffe enthält.
In der Volksheilkunde dient sie als Mittel gegen Verdauungsbeschwerden, Gicht, Rheuma und Hauterkrankungen.
Dazu verwendet man die getrockneten Wurzeln, die reich an Saponinen, Bitterstoffen und Glykosiden sind und die man zu Tee und Tinkturen verarbeitet.
Die Homöopathie nutzt die alkoholische Tinktur und daraus hergestellte Globuli gegen Warzen, Akne und kleine Hautwunden.
Neuerdings wird in der naturheilkundlichen Praxis die Kardenwurzel auch innerlich als alkoholische Tinktur oder Tee begleitend zur Antibiotika-Therapie bei Borreliose angewendet. Es gibt aber keine klinischen Studien, die belegen, dass die Wilde-Karde-Tinktur den Verlauf der Borreliose in irgendeiner Weise beeinflusst.
Einzeln oder in kleinen Gruppen wirkt die Wilde Karde ausgesprochen dekorativ und lässt sich in Beeten oder im Bauerngarten mit anderen Wildstauden kombinieren.
Wir selbst haben die Wilde Karde nicht im Garten und so habe ich mich im Botanischen Garten auf die Suche gemacht. Erst nach längerem Ausschauhalten habe ich sie bei den unterschiedlichen Pflanzenfamilien bei Caprifolioaceae (Geißblattgewächse) gefunden, aufgrund der fortgeschrittenen Jahreszeit jedoch ohne die hübsche Blüte.