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Re: Vermutlich gestauchte Hibisken erworben....

Verfasst: So 21. Apr 2013, 17:37
von UllaL
Hallo,

die Hibiskusproduzenten gehen inzwischen immer mehr dazu über die angezogenen Kopfstecklinge bis kurz vor der Blüte einfach wachsen zu lassen und dann nur einmal unter die Hormondusche zu stellen. So ist die Pflanze folglich nur im Kopfbereich gestaucht und produziert aber weiterhin fleißig Blüten.
Da es inzwischen auch immer mehr Sorten gibt die nicht mehr so lange Neutriebe machen ist diese Methode natürlich viel besser, für die Pflanzen aber auch für die Verbraucher.
Ich denke wenn Du Deine Pflanze jetzt umtopfst in das entsprechende Substart mit Perlite vermischt dann wird sie die leichte Stauchung von ganz alleine auswachsen.

Warte erst mal ab ob die Pflanze in richtiger Hitze auch so lange blüht, mit den jetzigen freundlichen Temperaturen sind 4-5 Tage nichts Besonderes :-)

Zum Abschluss noch ein herzliches Willkommen von mir in unserer Runde!!!!
Herzliche Grüße
Ulla

Re: Vermutlich gestauchte Hibisken erworben....

Verfasst: So 21. Apr 2013, 19:30
von Philipp
Hallo zusammen,

weiß zufällig jemand, welcher Wirkstoff üblicherweise zum Stauchen der Hibisken verwendet wird? UllaL, wird die von dir geschilderte Überkopfbehandlung überall angewandt oder eher nur bei kleinerer Ware bzw. Büschen?

Ich beobachte nun schon im dritten Jahr den Hibiskushochstamm einer Kundin, den wir jedes Mal überwintern. Das Ding zeigt immer noch kein normales Wachstum, ausschließlich den gestauchten Krüppelwuchs. Zugegeben, die Pflanze wurde auch noch nie umgetopft, aber wenn sie mit einem der üblichen Wirkstoffe über Kopf gestaucht wurde, müsste sich nach so langer Zeit die Wirkung längst ausgewachsen haben. Ich habe den Verdacht, dass bei Hibiskus-Hochstämmen der Wirkstoff Paclobutrazol in den Topf gegossen wird, wie es auch bei Enzianbäumchen und Lantanen üblich ist. Einmal im Substrat, bleibt der Wirkstoff auch über Jahre dort und behält seine Wirkung, wenn solche Ware kompostiert wird kann der Kompost nicht in neue Kultursubstrate gemischt werden. Wie gesagt, es ist nur ein Verdacht, wäre schön wenn jemand mehr dazu sagen könnte.

VG Philipp

Re: Vermutlich gestauchte Hibisken erworben....

Verfasst: So 21. Apr 2013, 21:32
von RosaRot (unerwünscht)
Zu diesem Verdacht kann ich wenig sagen, außer, dass Deine Vermutung vermutlich richtig ist. Aber: So ein gestauchtes Teil sollte unbedingt umgetopft werden. Ich würde auch jegliche Erde aus dem Wurzelgeflecht auswaschen. dann hat die Pflanze wenigstens ein bißchen die Chance vernünftig wachsen zu können. Und vermutlich wird sie dies auch tun mit der Zeit. Es dauert allerdings, gerade bei Hochstämmen.
Ich habe einige solche gestauchten Teile (Mangel an Beherrschung in Baumärkten us....), denen ich seit Jahren versuche vernünftiges Wachsen beizubringen. Das geht dann schon, aber es dauert. Manchmal muss man mehrfach umpflanzen.
Unter diesen Pflanzen ist übrigens eine (bzw. drei, es waren drei im Topf), die nie vernünftige Faserwurzeln ausgebildet hat. Die Stücken haben ein paar dicke Wurzelstrunken - das wars. Ich habe diese nun zum dritten Mal umgesetzt und mittlerweile scheinen sie ganz nett wachsen zu wollen- vielleicht kommen dann auch mal vernünftige Wurzeln...

Re: Vermutlich gestauchte Hibisken erworben....

Verfasst: Mo 22. Apr 2013, 17:45
von Bernhard Kompa
Philipp hat geschrieben:... weiß zufällig jemand, welcher Wirkstoff üblicherweise zum Stauchen der Hibisken verwendet wird? ...
Irgendwo habe ich was gefunden, es ist nicht einfach, möglicherweise gibt es diverse Mittelchen:
Hibiskus hat vor Allem das Problem, dass er als verholzende Pflanze Hemmstoffe nur langsam abbaut. Die Empfehlung für Deutschland sind sehr niedrige Dosierungen von Cycocel 720. Darauf reagiert Hibiscus schon sehr stark und lange. Ich vermute, dass die Hibisken die "bald" weiter wachsen und dann auch einigermaßen normal große Blätter entwickeln eher stark wachsende Sorten sind die mit Cycocel behandelt sind.
Gerade in Holland, Dänemark etc. wird aber oft Bonzi verwendet. Bonzi enthält als Wirkstoff Paclobutrazol und dieser hat eine seehr starke Wirkung und eine seehr lange Halbwertzeit.
Vorteile des Bonzi:
Billig (Cycocel allerdings auch)
Sehr gute Verträglichkeit (Cycocel verursacht gerne Blattrandchlorosen)
Oft bessere Verzweigung (bei Cycocel nur bei wenigen Pflanzen)
Sehr breit einsetzbar (Cycocel hat ein eher eingeschränktes Wirkungsspektrum)
Bei vielen Pflanzen eine frühere und reichere Blüte (Cycocel bewirkt eher das Gegenteil)
Schnelle und lang anhaltende Wirkung (oft reicht eine Behandlung für die gesamte Kulturzeit)
Gute Blütenverträglichkeit (die kann man Cycocel ganz und gar nicht bescheinigen)
Dunkle Laubfärbung und manchmal Intensivierung der Blütenfarbe (bei Cycocel allerdings auch möglich) ...
Wenn dann bei der "Behandlung" nach dem Motto "viel hilft viel" verfahren wird, stagniert die Pflanze.

Re: Vermutlich gestauchte Hibisken erworben....

Verfasst: Mi 24. Apr 2013, 00:55
von Philipp
Danke Zausel! Da lag ich wohl gar nicht mal so falsch...

VG Philipp

Re: Vermutlich gestauchte Hibisken erworben....

Verfasst: Do 25. Apr 2013, 20:11
von Bernhard Kompa
Philipp hat geschrieben:... wird die von dir geschilderte Überkopfbehandlung überall angewandt ...
"Überkopfbehandlung" stelle ich mir so vor, daß jemand jede einzelne Pflanze in die Hand nimmt und diese in die Giftbrühe taucht.
Ich vermute eher, die Pflanzen bleiben im Gewächshaus stehen und der "Segen" kommt über die Berieselungsanlage.
Geht ruckzuck.

Re: Vermutlich gestauchte Hibisken erworben....

Verfasst: Di 30. Apr 2013, 15:12
von UllaL
Da hat der Zausel genau die Quelle zitiert die ich auch angegeben hätte und es stimmt, die Dusche kommt von oben. Eben weil sie von oben kommt läuft die Brühe auch immer in das Substrat und verseucht es zusätzlich, daher ist es gescheiter die Erde vorm umtopfen auszuspülen.
Ich habe in einem holländischen Produktionsbetrieb gezeigt bekommen wie die Pflanzen behandelt werden, ist aber schon lockere 10 Jahre her und somit sicherlich veraltet, inzwischen werden die Mittel eventuell anders dosiert. Es wurde übrigens damals hauptsächlich Cycocel hergenommen und die Pflanzen durchliefen bis zu drei Mal den Duschvorgang :-(

Herzliche Grüße
Ulla

Re: Vermutlich gestauchte Hibisken erworben....

Verfasst: So 30. Jun 2013, 11:12
von Bernhard Kompa
UllaL hat geschrieben:... Nachdem über Jahre die Aufklärung über die behandelten Hibisken funktionierte (ich bin dagegen Sturm gelaufen) und die Stimmung entsprechend kippte werden von den dänischen, niederländischen Produktionsbetrieben neue Sorten gezüchtet die ohne oder nur mit einer Dusche auskommen und somit echte Neuheiten sind.
Dieses Frühjahr habe ich aus einem italienischen Produktionsbetrieb wunderschöne große, voll blühende neue Sorten bestaunen können. ...
Das Problem an dieser Sache sind die Kunden, die, wenn sie die Wahl haben, lieber die gestauchten Pflanzen nehmen. Diese haben einen kompakteren Wuchs und die Blüten glühen wegen des Stauchemittels viel intensiver als die Blüten der ungestauchten Pflanzen.
Das Auswaschen der Wurzeln habe ich auch probiert, bei sechs Töpfen.
Möglicherweise waren meine Pflanzen schon zu sehr geschädigt, weil sie zu lange bei Al.. und Lid. im Verkaufsraum standen, vielleicht habe ich mich selbst auch zu dusselig angestellt- sie waren alle nach kurzer Zeit hin.
Die ebenfalls gestauchte [External Link Removed for Guests] habe ich im Winter bei Zimmertemperatur durchkultiviert, die Pflanze hat gelegentlich geblüht. Im zeitigen Frühjahr, bei Beginn des verstärkten Austriebs habe ich alle Knospen ausgebrochen, damit die Kraft in die Blätter geht und nicht in den Blüten verpulvert wird. Ob ich richtig liege, weiß ich nicht.

Re: Vermutlich gestauchte Hibisken erworben....

Verfasst: Di 5. Nov 2013, 01:48
von Bernhard Kompa
Zausel hat geschrieben:... bei Beginn des verstärkten Austriebs habe ich alle Knospen ausgebrochen, damit die Kraft in die Blätter geht und nicht in den Blüten verpulvert wird. ...
Ob es etwas geworden wäre, weiß ich noch immer nicht- die Pflanze hat den Kampf mit der weißen Fliege verloren.

Re: Vermutlich gestauchte Hibisken erworben....

Verfasst: So 10. Aug 2014, 16:03
von Tetje
Hallo zusammen,

es hat fast zwei Jahre gedauert bis der gestauchte Hibiskus ein normales Wachstum
gezeigt hat. 8-)
Ich habe zum besseren Verständnis Fotos gemacht und mein persönlicher Fazit ist,
Anfänger werden gestauchte Pflanzen kaum durch den Winter bekommen.