Lohnt sich die Züchtung mit Hibiskus Arten?

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Tetje
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Lohnt sich die Züchtung mit Hibiskus Arten?

Beitrag von Tetje »

Liebe Ulla,

hast du schon mal versucht in diese hochgezüchteten Hybriden eine Art einzukreuzen?
Zuletzt geändert von Admina am Sa 7. Feb 2015, 17:23, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Thema geteilt, Überschrift angepasst und Thema verschoben
Viele Grüße
Tetje

„Habt Ehrfurcht vor der Pflanze, alles lebt durch sie!“
Johann Wolfgang von Goethe
UllaL

Re: Hibiskus 'Moorea Crazy Gold'

Beitrag von UllaL »

Hallo Tetje,

diese "Spielerei" habe ich mir vor 35 Jahren in Bahrain und vor 20 Jahren in Deutschland erlaubt und dann noch mal als ich Gleichgesinnte in Australien fand, Brian Kerr und Allan Little. Mit beiden habe ich dann die enttäuschenden Ergebnisse besprochen und habe das Experiment beendet, die beiden übrigens auch.
Bei mir spielte dabei auch noch das Platzproblem eine Rolle: wenn man 50 Sämlinge stehen hat von denen man nicht wirklich Großartiges erwartet, dann tut es einem irgendwann um den Platz Leid. Interessanterweise haben alle Sämlinge aber nach 1 1/2 Jahren geblüht.
Ich widme mich lieber weiterhin dem Züchten von neuen Hybriden mit den modernen Sorten, da habe ich mehr Erfolg.

Herzliche Grüße
Ulla
RosaRot (unerwünscht)

Re: Lohnt sich die Züchtung mit Hibiskus Arten?

Beitrag von RosaRot (unerwünscht) »

UllaL,

interessant fände ich, zu wissen, mit welchen Arten damals gekreuzt wurde und was das Enttäuschende an den Ergebnissen war? Was war das eigentlich angestrebte Zuchtziel?
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Tetje
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Re: Lohnt sich die Züchtung mit Hibiskus Arten?

Beitrag von Tetje »

Hallo Ulla,

ich beschäftige mich seit drei Jahren mit Hibisken und habe eine Menge von dir gelernt,
mein Gebiet sind aber die Klivien, Engelstrompeten, Dahlien, Rosen, Klematis und die gezielte
Pflanzenzüchtung.
Egal mit welcher Gattung man kreuzt die Regeln sind immer die gleichen.

Dein Hinweis, dass sie nach 1,5 Jahren bereits geblüht hat finde ich bemerkenswert. :o

Schade du das Ergebnis in einer deiner Zuchtlinien von dir nicht weiterverfolgt hast.
Viele Grüße
Tetje

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UllaL

Re: Lohnt sich die Züchtung mit Hibiskus Arten?

Beitrag von UllaL »

Hallo Tetje,

ich habe damals mit Hibiscus archerii, Hibiscus cooperii, Hibiscus schizopetalus, Hibiscus camdenii, Hibiscus albo lascinatus gekreuzt, bis sich da mal Samen ausbildete war eh schon ein Sisyphusarbeit. Die Ergebnisse waren so enttäuschend da die Blüten hauptsächlich den Arten ähnelten. Auch dass sie tatsächlich schon nach 1 1/2 Jahren blühten konnte mich nicht davon überzeugen da weiter zu machen. Das Zuchtziel war die Hybriden stabiler auf eigenen Wurzeln wachsen zu lassen, auch die Kältetoleranz war ein Thema.

Wenn die Sämlinge der Hybriden optimal kultiviert werde können auch sie schon nach 1 1/2 Jahren blühen, manche eher, viele etwas später, aber doch innerhalb von 2 Jahren, da gibt es nur wenige Ausreißer.

Herzliche Grüße
Ulla
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Harald
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Re: Lohnt sich die Züchtung mit Hibiskus Arten?

Beitrag von Harald »

Hallo zusammen,
ich mische mich mal als Nicht-Fachmann für Hibisken ein. Das Einkreuzen von Wildarten in hochgezüchtete Gartenformen ist nur dann sinnvoll, wenn die Wildart erwünschte Eigenschaften besitzt, die die Gartensorten nicht haben, und die man mit dieser Methode übertragen möchte. Dabei wird das erwünschte Merkmal in der ersten Generation nie, oder fast nie, auftreten. Wild-Merkmale sind nämlich fast immer dominant. Aufspaltungen und Umkombinationen sind erst in der zweiten Generation zu erwarten. Man kann natürlich sagen: Ich mische mal etwas zusammen, mal sehen, was daraus wird, aber die Wahrscheinlichkeit etwas Besonderes zu erhalten, ist gering. Es ist in der Genetik üblich zu sagen, dieses Merkmal ist dominant und jenes ist rezessiv. Dabei entsteht der Eindruck, dass ein Merkmal durch ein Gen bestimmt wird. Tatsache aber ist, dass die meisten Merkmale durch das Zusammenwirken mehrerer Gene zustande kommen. Wie könnte man sich sonst die Vielfalt und Muster der Blütenfarben erklären?
Die berühmte neuseeländische Iriszüchterin Jean Stevens hat auf dem Iris Symposion in Florenz 1963 eine interessante Theorie vorgestellt, die etwas von der heute gültigen Lehrmeinung abweicht:

1) Alle Gene, dominant oder rezessiv, sind in Wahrheit multiple Einheiten, und dass kein einziges Merkmal, auch kein rezessives, durch ein einzelnes unteilbares Gen ausgedrückt werden kann.
2) Dominanz wird verursacht nur durch eine größere Ansammlung von Genen als bei dem rezessiven Allel.
3) Im Verlauf der Evolution können, wenn neu erworbene Eigenschaften vorteilhaft sind, rezessive Allele dominant werden. Das wäre dann die Erklärung warum Wild-Allele dominant sind.
Grüße,
Harald
UllaL

Re: Lohnt sich die Züchtung mit Hibiskus Arten?

Beitrag von UllaL »

Hallo Harald,

Danke für den interessanten Beitrag.

Ich habe fünf Generationen mit ca. 100 Pflanzen von den Kreuzungen beobachtet, meine Partner in Australien sogar noch mehr, für uns alle waren die Ergebnisse nicht überzeugend. Uns war es ja wichtig schöne, mehrfarbige Sorten die auf eigenen Wurzeln wachsen und Kälte toleranter sind heran zuziehen, aber gerade die Blütenfarben spiegelten hauptsächlich die Ursprungssorten wieder.
Da ich nur beschränkten Platz habe gab ich schneller auf, meine Freunde haben noch eine Zeitlang weiter gemacht, es dann aber auch einschlafen lassen.

Herzliche Grüße
Ulla
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